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Mobilität intelligent organisiert

Seit Sommer 2017 ist DEKRA Partner von MOIA, dem Mobility-Start-up aus dem Hause Volkswagen. MOIA möchte Mobilität bedarfsgerecht gestalten – mit seinen charakteristischen Shuttle-Bussen. Die Fahrzeuge können Kunden per App rufen und bezahlen. Das ist günstiger als ein Taxi und flexibler als der Linienbus. Die Idee dahinter: Ein Algorithmus bündelt ähnliche Buchungen zu idealen Routen. Die Shuttles sammeln unterwegs weitere Kunden ein und setzen sie wunschgemäß ab – so steigt die Auslastung der Fahrzeuge und MOIA senkt den Verkehr in den Innenstädten. Gleichzeitig gelangen die Kunden komfortabel ans Ziel – ganz ohne umzusteigen. So funktioniert das Prinzip „Ridepooling“.

MOIA testete sein Konzept acht Monate lang in Hannover mit großer Akzeptanz. Seit Sommer 2018 ist der Betrieb kommerziell und eine gute Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr. Von Anfang an dabei: DEKRA Arbeit. „Wir haben die Fahrer für die Shuttles rekrutiert und ausgebildet. Wir übernehmen zudem die Fahrzeugverwaltung“, berichtet Geschäftsführerin Suzana Bernhard, die die DEKRA Tochter seit 15 Jahren leitet.

Ein Fahrer, mehrere Gäste, ähnliches Fahrziel. Preiswert und sicher – so geht Ridepooling.

Zum DEKRA Leistungsspektrum für MOIA zählt auch, die Fahrzeuge zu warten und zu pflegen, Gutachten zu schreiben, Schäden zu regulieren und Fahrereinsätze zu planen. Mittlerweile ist der MOIA-Fuhrpark in Hannover auf 75 Fahrzeuge angewachsen, mit 160 Fahrern im Einsatz. „Es ist reizvoll, ein neues Thema zu begleiten“, sagt Bernhard. Aber auch eine immense Herausforderung: Da für beide Unternehmen zu Beginn der strategischen Partnerschaft jeder Entwicklungsschritt ins Ungewisse führte – die Idee war komplett neu – bestand die Zusammenarbeit aus „einem ständigen Update“, wie Bernhard es heute nennt. „Das geht nur, wenn man loyal und auf Augenhöhe miteinander umgeht“, sagt sie.

Herausforderung Dienstplan

Heute scheinen die Probleme von damals banal – doch damals klangen sie unmöglich. Etwa die Erstellung eines Dienstplans. Das war für Bernhard eine Gleichung mit vielen Unbekannten: Wie viele Mitarbeiter brauchen wir zum Start? Wie hoch ist die Auslastung der Shuttles? Wie groß ist die Nachfrage? Da es keine festen Fahrzeiten wie beim Linienbus gibt, gibt es kaum feste Haltestellen. „Wir haben den Dienstplan gefühlt 100.000 Mal umgeworfen. Nur um ihn am Starttag noch fünf Mal zu ändern“, beschreibt Bernhard die damalige Herausforderung. 

Noch vor dem Dienstplan stand die Auswahl der Fahrer. Diese müssen zuverlässig sein, freundlich, sicher hinterm Steuer. Vielleicht Studenten? Nein, die haben Klausurenphasen und Vorlesungen. Vielleicht Rentner? Nein, die Bedienung im Shuttle ist vollständig digital. Die Fahrer tippen alles auf ein Smartphone-Display. „Beides haben wir unterschätzt. Eine Affinität zur Technik ist Voraussetzung für den Job“, so Bernhard. „Genauso wie absolute Zuverlässigkeit.“ Schnell wird klar, dass nur ein fester Fahrerstamm für MOIA in Frage kommt. Fahrer, die für den Job „brennen“. 

Gesagt, getan: Alle 160 Fahrer, die heute in Hannover im Einsatz sind, sind besonders ausgebildet und haben ihre Eignung mit zahlreichen Bescheinigungen nachgewiesen. So gewährleistet DEKRA Arbeit, dass MOIA-Kunden sicher, komfortabel und zuverlässig an ihr Ziel gelangen.

Moderne Mobilität: Shuttle-Busse mit Elektroantrieb. In Hannover schon Alltag und bald auch in Hamburg.

Fahren mit E-Mobility Profil

Aus dem Pilotprojekt in Hannover wurde ein Erfolg – und der Grundstein für eine weitere Kooperation. Im Frühjahr 2019 bietet MOIA seinen Mobility-on- Demand-Service auch in Hamburg an. Mit einem Unterschied: In der Hansestadt sind die Shuttles vollständig elektrifiziert. DEKRA Arbeit ist als Partner mit an Bord und verantwortlich für die Fahrerausbildung. „Wir hätten nicht gedacht, dass gute Mitarbeiter die größte Herausforderung werden könnten“, sagt Bernhard. „Aber der Fahrermarkt in Hamburg ist leergefegt.“ Hamburg gilt als Ideenschmiede für neue Mobilität. Viele Anbieter sind mit ihren innovativen Lösungen hier – und wetteifern um gute Fahrer.

Mobilität von heute und morgen: Entspannt mit anderen ans Fahrziel bringen lassen.

Und damit alles nicht nur entspannt und preiswert, sondern auch maximal sicher ist, gibt es den „DEKRA S@fetyIndex“.

Deshalb fährt DEKRA Arbeit in Hamburg eine neue Strategie: Sie bildet Fahrer selbst aus. In einer 13-tägigen Schulung lernen sie den Umgang mit den Elektro-Shuttles. Voraussetzung auch hier: Führerschein, P-Schein zur Fahrgastbeförderung, Bescheinigungen über körperliche und geistige Eignung, Sehtest, Funktions- und Leistungstest und polizeiliches Führungszeugnis. Liegt alles vor, drücken die Fahreranwärter in der DEKRA Akademie die Schulbank. „Das ist unser großer Vorteil“, erklärt Bernhard. „Wir verfügen über Know-how im Automobilbereich, der Personaldienstleistung und in der Qualifizierung. Dieses Wissen vernetzen wir zum Vorteil des Kunden.“

Auf der DEKRA eigenen Teststrecke in Hamburg heißt es fortan etwas förmlich: „Eignung Personenbeförderung und Personenbeförderungsschein (für Shuttle-Service-Fahrer/-innen mit Elektrofahrzeugen)“. In 104 Unterrichtseinheiten entwickeln die Teilnehmer ein Grundverständnis für die batteriebetriebene Technologie, sprechen über ökologische Aspekte und die Wartung und Pflege der Energiequelle. Darüber hinaus spielt Sozialkompetenz eine zentrale Rolle. Als Dienstleister ist der professionelle Umgang mit Kunden wichtig. Dazu gehört eine höfliche Ausdrucksweise, aber auch ein vernünftiges Erscheinungsbild. Ans Steuer dürfen die MOIA-Anwärter natürlich auch: Auf den Prüfstand kommen Fahrstil, Bremsverhalten und vorausschauendes Fahren. Vermittelt werden schließlich Ortskenntnisse: Wo etwa liegt das nächste Krankenhaus und durch welchen Stadtteil fahren wir eigentlich gerade?

Shuttle fahren kann doch jeder. Von wegen! Nur nach umfassenden Trainings und Tests lockt das Lenkrad.

Mehr Sicherheit durch Analyse des Fahrverhaltens

Seit kurzem ergänzt DEKRA das Thema Sicherheit für MOIA mit einer Innovation: dem „DEKRA S@fetyIndex“. Dahinter verbirgt sich ein Algorithmus, der das Fahrverhalten neutral und objektiv misst. Er bewertet dafür drei Dimensionen: Beschleunigung und Bremsverhalten sowie die Einhaltung der Geschwindigkeit. Beschleunigt und bremst der Shuttle-Fahrer vorausschauend, und hält das vorgegebene Tempolimit ein, so bewertet der Index ihn mit der Höchstpunktzahl. Angenommen, der Fahrer fährt mit zu hoher Geschwindigkeit und bremst beispielsweise exzessiv, so erhält er eine reduzierte Bewertung. „90 Prozent der Unfälle passieren, weil der Mensch einen Fehler gemacht hat“, erklärt Valentin Löwenstein, der bei DEKRA Digital für Business Development verantwortlich ist. „Dem wollen wir entgegensteuern, indem wir das Fahrverhalten unter Berücksichtigung des Datenschutzes anonymisiert auf Flottenebene oder mit Zustimmung des Fahrers transparent darstellen.“ DEKRA Digital, gerade einmal ein Jahr alt, ist eine neue und agile Einheit, deren Alltag sich um digitale Innovationen rund um das Thema Sicherheit dreht. Das agile Team hat seinen Algorithmus noch speziell an die MOIA-Anforderungen angepasst. Löwenstein erklärt die Parameter so: „Unsere Vorstellung ist, dass ein Kunde mit seinem Laptop einsteigt, arbeitet, komfortabel und sicher unterwegs ist – ohne ständig sein Equipment festhalten zu müssen und durchgeschüttelt zu werden – und bequem wieder aussteigt. Wer sein Shuttle so fährt, wird eine hohe Kundenzufriedenheit erreichen.“

„DEKRA S@fetyIndex“: smarter und innovativer Algorithmus für mehr Sicherheit und Freude am Mitfahren.

In der Pilotphase erhält DEKRA Digital anonymisierte und randomisierte Daten aus Fahrzeugen der MOIA-Flotte in Hannover. Seit Februar speist das Team diese Beschleunigungs-, Brems- und Geschwindigkeitswerte in seinen Algorithmus ein und erstellt den „DEKRA S@fetyIndex“. Künftig sollen Auffälligkeiten im Fahrverhalten genutzt werden, um Fahrertrainings für MOIA-Fahrer speziell auf einzelne Szenarien hin anzupassen und gute Fahrer noch besser zu machen. Zum Beispiel vorausschauendes Fahren vor Ampeln: „Das ist der nächste Schritt. Jetzt gilt es, die Pilotphase erfolgreich abzuschließen. Dann möchten wir unser System auch kommerziell zum Einsatz bringen und MOIA in der Zukunft ein verlässlicher sowie innovativer Partner rund um das Thema Sicherheit sein“, sagt Löwenstein.

Für Kunden, die Daten über Telematik-Systeme nicht selbst erheben, entwickelt DEKRA Digital auch eine Smartphone-App mit integriertem „DEKRA S@fetyIndex“. Der Clou: In modernen Smartphones stecken alle Sensoren, um Beschleunigung und Geschwindigkeit zu messen – das reicht, um einen Score zu berechnen.

Aktuell sind drei Parameter in den „DEKRA S@fetyIndex“ integriert. Doch das Digital-Team entwickelt den Algorithmus auch mit Unterstützung des Mobility Innovation-Bereichs des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation weiter: „Wir wollen unter anderem Wetterdaten sowie weitere sicherheitsrelevante Daten einberechnen. Unser Gedanke: Wenn es regnet, sollte auch die Geschwindigkeit angepasst werden“, so Löwenstein. „Auch Ausstattungen einzelner Fahrzeuge könnten interessant sein.“

All das dient einer Mission: Durch den Einsatz digitaler Technologien die Sicherheit im alltäglichen Leben, im Verkehr, bei der Arbeit und zu Hause weiter zu erhöhen. Der „DEKRA S@fetyIndex“ ist das erste Produkt dieser Mission – mit ihm möchte DEKRA Digital in Zukunft das Fahrverhalten positiv beeinflussen. „Unsere Vision ist es, einen Standard zu entwickeln, der das Fahrverhalten neutral und objektiv beurteilt“, erklärt Löwenstein.

3 Fragen an Suzana Bernhard

Suzana Bernhard

Executive Vice President DEKRA Group, Service Division Temp Work

Starker Partner für neue Mobilität – Suzana Bernhard über die Gründe für den Erfolg von DEKRA bei den Anbietern. 

DEKRA will weiter wachsen und sich dazu stärker vernetzen. Wie sieht das im Alltag genau aus? 

S.B.
Das innovative Mobilitätskonzept von MOIA ist ein gutes Beispiel dafür. Wir sind gerade deshalb ein starker Partner für die Volkswagen-Tochter, weil wir unser breites Wissen zum Vorteil von MOIA vernetzen. Dabei geht es natürlich um unsere Kernkompetenz der Sicherheit im Automobilbereich. Hinzu kommt aber unsere Expertise in der Qualifizierung sowie in der Personaldienstleistung. Und schließlich unser Know-how in den digitalen Themen der Mobilität. 

Wie profitiert MOIA speziell von der DEKRA Arbeit? 

S.B.
Beispielsweise dadurch, dass wir durch die enge Zusammenarbeit mit der DEKRA Akademie schnell in der Lage sind, gezielt Weiterbildungen und Ausbildungen zu entwickeln. Dank unserer Vernetzung können wir so jederzeit auf Herausforderungen reagieren und maßgeschneiderte Lösungen anbieten. 

Neben MOIA kooperiert die DEKRA Arbeit mit weiteren Mobilitätsdienstleistern?

S.B.
Genau, nach der Fusion von Car2Go und Drive Now verantwortet DEKRA Arbeit hier die Fuhrparklogistik. Das sind 4.500 Fahrzeuge in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln. Carsharing hat großes internationales Potenzial. Im Ridepooling unterstützen wir u.a. CleverShuttle und IOKI.

Expertise weltweit

Leidenschaftlich engagiert DEKRA ist wahrhaft global aufgestellt. Als Vordenker für Sicherheit übernehmen wir Verantwortung in rund 60 Ländern auf allen Kontinenten. Unsere Mitarbeiter engagieren sich mit Leidenschaft für die Sicherheit der Menschen. Dazu haben wir unsere Kompetenzen und Strukturen konsequent auf die Anforderungen unserer Geschäfts- und Privatkunden ausgerichtet.

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Mitarbeiter in Europa

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Frankreich

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Australien und Neuseeland